Fallbeispiel
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Recycling flüssiger Medien durch Membrantechnologie

Recycling von Lösungsmittel und flüssigen Medien
5 t/a

CO2-Einsparung

9.600 l/a

Lösungsmittel

Die Recosoil Recycling GmbH und die Konradin Druck GmbH kooperieren bei der Aufbereitung von Lösungsmitteln aus dem Druckprozess. Das Kernanliegen ist dabei, die verschmutzen Lösungsmittel zur Maschinenreinigung aufzubereiten und zu recyceln und für den Produktionskreislauf zurückzugewinnen. Dadurch kann zusätzlich Energie für die Herstellung neuer Lösungsmittel eingespart werden.

Die Druckindustrie ist zur Reinigung ihrer Maschinen auf große Mengen komplexer technischer Lösungsmittel angewiesen, die mit hohen Kosten verbunden sind. Die nach der Reinigung verschmutzten Lösungsmittel werden im Anschluss oft thermisch verwertet – wodurch sich zwar in begrenztem Maß Energie zurückgewinnen lässt, aber das Medium selbst und die darin enthaltenen wiederverwertbaren Bestandteile verloren gehen. Mit diesem ineffizienten Prozess sah sich Hellmut Funk – schon seit den 1990er-Jahren in der Druckbranche tätig – stetig konfrontiert. Vor diesem Hintergrund gründete er 1996 die RECOSOIL Recycling GmbH mit dem Ziel, ein Recyclingsystem für verschmutzte Lösungsmittel-Wassergemische aus Druckereien mit Bürstendrucktuchwaschanlagen zu schaffen. Das RECOSOIL-Recycling- System hilft Druckereien seither nachhaltig zu handeln und gleichzeitig Kosten zu sparen.

Ein Kunde der RECOSOIL Recycling GmbH ist die Konradin Druck GmbH, die in Leinfelden- Echterdingen Kataloge, Zeitschriften und Akzidenzdrucke im Offsetdruckverfahren produziert. Für den Reinigungsprozess der Maschinen benötigt die Druckerei monatlich 1.000 l Lösungsmittel. Diese werden jedoch nicht thermisch verwertet, sondern wiederaufbereitet und anschließend in den Produktionsprozess zurückgeführt. Je nach Zustand des Lösungsmittels können mindestens 80 % des eingesetzten Lösungsmittels wiederverwendet werden und beachtliche ökonomische und ökologische Vorteile realisiert werden. Neben der Konradin Druck GmbH profitieren auch zahlreiche Druckereien in Deutschland und Österreich vom RECOSOILSystem.

Anstatt die teuren Lösungsmittel nach einmaliger Nutzung thermisch zu verwerten, wollte Hellmut Funk nach einem nachhaltigeren Verfahren suchen. Zusammen mit einem Partner fand er dieses in der Anwendung einer speziellen Membrantechnologie: Diese ist in der Lage, das genutzte Lösungsmittel von den genannten Rückständen zu befreien ohne die wichtigen Bestandteile zu schädigen, wodurch es anschließend wiederverwendet werden kann.

Nach der erfolgreichen Entwicklung und Erprobung der Technologie, für die RECOSOIL auch ein Patent angemeldet hat, wurde zunächst eine mobile Lösung auf den Markt gebracht. Dabei wurden die Lösungsmittel direkt vor Ort bei den Kunden aufbereitet. Innerhalb kurzer Zeit nahm das Interesse am Angebot von RECOSOIL stark zu, so dass die Kapazitäten der mobilen Lösung nicht mehr ausreichten, um allen Kundenanfragen nachzukommen. Daher musste ein Partner für einen dauerhaften Produktionsstandort gefunden werden.

Die SÜDÖL GmbH in Eislingen/Fils konnte hierfür als Produktionspartner gewonnen werden und setzt seit nunmehr 19 Jahren das RECOSOIL-Recycling-System technisch um. Die Qualität des recycelten Produkts wird ebenfalls im Labor vom Produktionspartner SÜDÖL überprüft, um sicherzustellen, dass es sich qualitativ auf dem Niveau von unbenutztem Lösungsmittel befindet. Die Bereiche Vertrieb, Entwicklung und Marketing werden seit jeher erfolgreich von Überlingen aus gesteuert.

Die Konradin Druck GmbH nimmt seit rund fünf Jahren die Recycling-Dienstleistung der RECOSOIL GmbH erfolgreich in Anspruch: Durchschnittlich werden im Monat 1.000 l an verschmutztem Lösungsmittel vor Ort gesammelt und anschließend zur Aufbereitung an den Produktionsstandort in Eislingen gebracht. Bei der nächsten Abholung von verunreinigtem Lösungsmittel wird das recycelte wieder angeliefert.

Chemisches Prüflabor
Chemisches Prüflabor (RECOSOIL Recycling GmbH)

Von der Konradin Druck GmbH werden jährlich 12.000 l gebrauchtes Lösungsmittel dem Aufbereitungsprozess zugeführt, daraus entstehen etwa 9.600 l aufbereitetes Lösungsmittel. Im Zuge der Aufbereitung entstehen Treibhausgas-Emissionen durch den Hin- und Rücktransport, die Absaugung, die Ultrafiltration und den Einsatz von Flockungschemikalien. Insgesamt betragen die mit der Aufbereitung verbundenen Emissionen 0,6 t CO2e pro Jahr. Bei der Produktion von 9.600 l Neuware würden hingegen 5,2 t CO2e entstehen. So werden durch die Maßnahme jährlich etwa 4,6 t CO2e vermieden.

Das Recycling des eingesetzten Lösungsmittels leistet einen wichtigen Beitrag zur Realisierung von ökonomischen und ökologischen Einsparungen innerhalb der Druckbranche. Abseits der Druckbranche ist RECOSOIL stetig auf der Suche nach weiteren Anwendungsbereichen für seine Technologie, damit auch andere Branchen davon profitieren können. Hierfür muss noch viel Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit geleistet werden, denn trotz der hochwertigen Qualität des Lösungsmittels haben recycelte Produkte oft noch nicht die gleiche Markt- und Kundenakzeptanz wie Neuware.

Die RECOSOIL Recycling GmbH wurde 1996 von Hellmut Funk in Überlingen gegründet. Seit jeher fühlt sich das Unternehmen dem Ziel verpflichtet, ökologisch orientierte Innovationen zu entwickeln, die sich für den Kunden wirtschaftlich sinnvoll einsetzen lassen. Das war Mitte der 1990er-Jahre noch harte Pionierarbeit. Inzwischen zählen seit vielen Jahren die größten Unternehmen der deutschen Druckbranche zu den Kunden von RECOSOIL. Kundenzufriedenheit hat bei RECOSOIL oberste Priorität.

Unter dem Dach der renommierten Konradin Mediengruppe ist die Druckerei Konradin Druck GmbH am Standort Leinfelden bei Stuttgart heute eine der effizientesten Rollenoffsetdruckereien in Deutschland. Mit einer hochmodernen Produktionsausstattung werden Druckaufträge auf Rollendruckmaschinen mit 16 und 72 Seiten oder Bogendruckmaschinen produziert.

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