Scope-3-Emissionen managen
Lieferkette & Corporate Responsibility
Warum Scope 3 so entscheidend ist
Wer seine Klimastrategie ernst nimmt, kommt an Scope-3-Emissionen nicht vorbei. Sie entstehen überall dort, wo ein Unternehmen indirekte CO₂-Emissionen verursacht – in der Herstellung von Produkten, beim Transport, bei der Nutzung oder Entsorgung. In vielen Branchen machen sie durchschnittlich 75 Prozent der gesamten Emissionen aus.*
Quelle*: IHK Nürnberg – Prof. Dr. Frank Ebinger 2024
Im Rahmen des Kompetenzzentrums Klimaschutz in Unternehmen zeigt Umwelttechnik BW, wie Unternehmen Nachhaltigkeit ganzheitlich denken können: von Scope 1 über Scope 2 bis hin zu Scope 3.
Definition: Scope 1, 2 und 3 im Überblick
Das GHG Protocol (Greenhouse Gas Protocol) – internationaler Standard für Treibhausgasbilanzen, teilt Emissionen in drei Bereiche:
- Scope 1: direkte Emissionen aus eigenen Quellen (z. B. Heizungen, Fahrzeugflotten)
- Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
- Scope 3: alle weiteren indirekten Emissionen entlang der Wertschöpfungskette, also außerhalb des direkten Unternehmensbereichs
Diese Aufteilung – oft als ghg scope 123 bezeichnet – bildet die Grundlage, um Klimawirkungen vollständig zu erfassen und Verantwortung systematisch zu übernehmen.
Wo Scope-3-Emissionen entstehen
Scope-3-Emissionen entstehen überall dort, wo ein Produkt oder eine Dienstleistung über Unternehmensgrenzen hinauswirkt:
- in der Wertschöpfungskette (z. B. Rohstoffe, Zulieferer)
- in der Logistik und beim Transport
- bei der Nutzung der Produkte durch Kundinnen und Kunden
- im End-of-Life-Prozess (Recycling, Entsorgung)
Gerade hier entstehen häufig die größten CO2-Hotspots – und gleichzeitig die größten Hebel für Reduktion und Innovation.
Corporate Responsibility: Verantwortung über die Lieferkette hinaus
Unternehmensverantwortung endet nicht am Werkstor.
Wer seine Scope-3-Emissionen transparent macht, stärkt Glaubwürdigkeit, Klimastrategie und Wettbewerbsfähigkeit.
Das GHG Protocol fordert, die gesamte Wertschöpfungskette in die Bilanz einzubeziehen. Das bedeutet:
- Lieferanten und Dienstleister müssen in die Datenerhebung integriert werden,
- Kundinnen und Kunden werden über nachhaltige Nutzung informiert,
- interne Prozesse werden unternehmensweit auf Klimawirkung geprüft.
So wird aus Klimareporting echte Corporate Responsibility.
Daten erfassen mit Analyzer-Tools
Scope-3-Emissionen zu berechnen ist komplex. Um Unternehmen diesen Prozess zu erleichtern, gibt es mit dem Scope 3 Analyzer ein praxisnahes digitales Tool.
Der Analyzer unterstützt Betriebe dabei, ihre indirekten CO2-Emissionen entlang der Wertschöpfungskette systematisch zu identifizieren, zu berechnen und zu visualisieren. Das Tool basiert auf den Vorgaben des GHG Protocol, ist speziell auf die Bedürfnisse kleiner und mittlerer Unternehmen zugeschnitten und bietet eine schnelle Wesentlcihkeitsanalyse anhand ausgabenbasierter Daten.
Vorteile des Tools:
- Übersichtliche Eingabe- und Auswertungsfunktionen für alle Upstream-Scope-3-Kategorien
- Automatisierte Berechnung der relevanten CO2-Äquivalente
- Transparente Darstellung der Ergebnisse als Grundlage für das Klimareporting
- Unterstützung bei der Vorbereitung auf gesetzliche Berichtspflichten (z. B. CSRD)
Strategien zur Reduktion von Scope-3-Emissionen
Wer Emissionen versteht, kann sie steuern. Typische Hebel in der Wertschöpfungskette sind:
- Lieferantenmanagement: Nachhaltigkeitskriterien in Ausschreibungen aufnehmen, CO₂-Ziele gemeinsam entwickeln.
- Ökodesign: Produkte langlebiger und recyclingfähig gestalten.
- Transport optimieren: Logistik bündeln, emissionsarme Transportmittel wählen.
- Kreislaufwirtschaft: Rücknahme- und Wiederverwertungssysteme aufbauen.
Unternehmen, die diese Ansätze kombinieren, reduzieren nicht nur CO₂-Emissionen, sondern verbessern auch ihre Position in der Wertschöpfungskette.
Scope 3 als strategischer Hebel
Scope-3-Emissionen gelten heute als Indikator für unternehmerische Reife im Klimaschutz. Sie zeigen, ob ein Unternehmen Verantwortung in der gesamten Wertschöpfungskette übernimmt – und ob es gelingt, ökologische Ziele mit wirtschaftlicher Effizienz zu verbinden.
Mit dem Kompetenzzentrum Klimaschutz in Unternehmen BW bietet Umwelttechnik BW dafür Orientierung und Praxisbeispiele.
Das Ziel: Unternehmen befähigen, Scope 1, 2 und 3 nicht isoliert zu betrachten, sondern als integriertes System für nachhaltige Transformation.
Das Management von Scope-3-Emissionen ist keine rein technische Aufgabe – es ist Teil einer zukunftsorientierten Corporate Responsibility.
Wer entlang der Lieferkette Verantwortung übernimmt, nutzt Klimaschutz als Innovationstreiber und Wettbewerbsvorteil.