Besuch bei der Renewable Materials Conference 2026
Erneuerbarer Kohlenstoff wird auch zum strategischen Faktor
Auch wir waren an zwei von drei Tagen in Siegburg auf der vom nova-Institut organisierten Renewable Materials Conference 2026 vertreten. Die Konferenz brachte VertreterInnen aus Industrie, Forschung, öffentlichem Sektor und Start-ups zusammen, um über erneuerbare Kohlenstoffquellen und neue Wege für die Industrie zu diskutieren. Die zwei Tage haben eindrücklich gezeigt, dass es an technologischen Möglichkeiten nicht mangelt.
Zum Auftakt stand die Defossilisierung der chemischen Industrie im Mittelpunkt. Die Diskussionen machten deutlich, dass vor allem diese Branche derzeit mit einem „vierfachen Schock“ konfrontiert ist: fragile Lieferketten, geopolitische Spannungen, die Klimakrise und Überkapazitäten in wichtigen Märkten. Gleichzeitig ist die chemische Industrie für nahezu alle anderen Industriezweige von grundlegender Bedeutung. Gerade Europa steht hierbei durch die hohen Energiepreise und komplexe Regulierung und Dokumentationspflichten vor besonderen Herausforderungen. Die notwendige Transformation so nur durch agile Kooperationen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Ein Gedanke aus der Diskussion ist besonders im Gedächtnis geblieben:
„Transformation happens when one actor’s risk is matched by another actor’s commitment.“
Eine weitere Erkenntnis: Erneuerbare Kohlenstoffquellen werden zu einem strategischen Faktor für die Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Letzteres wurde insbesondere in der Keynote von Shena Britzen von Rheinmetall deutlich.
Am zweiten Konferenztag rückten fossilfreie Kunststoffe in den Mittelpunkt. Der Anteil biobasierter Polymere an der gesamten Polymerproduktion ist derzeit mit rund einem Prozent noch sehr gering. Allerdings zeigen etablierte Lösungen, wie biobasiertes Polyethylen und PLA, dass erneuerbare Materialien bereits in industriellen Anwendungen angekommen sind.
Nach zwei Tagen Renewable Materials Conference bleibt die Erkenntnis, dass es vor allem darum geht, unter welchen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen aus erneuerbarem Kohlenstoff industrielle Realität werden kann. Und dieses Wort, das sehr wahrscheinlich in allen Köpfen hängen geblieben ist und mit dem die erste Key note beendet wurde: Kaitiakitanga: ein Māori-Konzept für Verantwortung und Fürsorge mit den lebenden Systemen.
Eine schöne Take-Home-Message! Wir sagen herzlichen Dank an die OrganisatorInnen der Renewable Materials Conference für das vielseitige Programm und die wertvollen Einblicke in aktuelle Entwicklungen rund um erneuerbaren Kohlenstoff.
Zum Programm der Renewable Materials Conference