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Interview mit einem Macher: Die Novis-Story (Teil 2)

Mit einem radikal neuen Ansatz schafft Novis Mehrwert aus Abgasen

Grün leuchtendes Gefäß mit Algen, die aus Licht, CO2 und Nährstoffen Biokunststoffe herstellen
Algen produzieren den Biokunststoff PHB aus Licht, CO₂ und Nährstoffen (Novis GmbH)

In Teil 1 unserer Reihe „Interview mit einem Macher“ sprach Paulina Leiman mit Dr. Thomas Helle von der Novis GmbH über die lukrative Methode, die das Unternehmen zur Dekarbonisierung von Geschäftsprozessen entwickelt hat. 

Gemeinsam mit Continental und der Universität Tübingen wurde ein Bundesprojekt gestartet, um zu zeigen, dass es profitabel ist, Biopolymere und andere Bestandteile aus Algen professionell zu züchten. Die erste Anlage ist gebaut und an Continental ausgeliefert, die so das CO2 aus ihren Schornsteinen verflüssigen. 

Was hat sich für Continental verändert? 

Unser Ziel ist es, Unternehmen völlig zu dekarbonisieren und von den CO2-Lasten zu befreien, die sie sonst nicht loswerden. Das ist aus unserer Sicht ein wertschöpfender Prozess: Die Erlöse, die ein Unternehmen hat aus dem Verkauf des CO2 oder der Algen-Biomasse an uns, wiegen auf jeden Fall die Kapitalkosten, die Betriebskosten und den Deckungsbeitrag auf. So schafft ein Unternehmen einen echten Mehrwert - das ist die Grundidee. Ab dem Moment, wo CO2 einen echten Wert am Markt hat, dürften sich viele Unternehmen entscheiden, gewinnbringend etwas aus ihrem Abgas zu machen.

Was können Sie zur Anlage sagen?

Die Anlage, die wir an Conti geliefert haben, ist aktuell noch zu klein, um einen richtig großen Deckungsbeitrag zu bringen. Die liefert vielleicht 40 Tonnen pro Jahr im Moment. Das ist eine Pilotanlage, der nächste Schritt geht zu einer Demonstrationsanlage. Da können wir 1000 Tonnen auffangen, um später bis 10.000 Tonnen gehen zu können.

Im Prozess werden spezielle Membranen eingesetzt, die noch recht kostenintensiv sind. Die Nachfrage nach den Membranen ist aktuell gering und wir kommen nicht so schnell in die Hochskalierung, dass wir jeden Monat 100.000 Quadratmeter des Materials abnehmen können. Wir arbeiten an einem Verfahren, das die Kosten deutlich reduzieren wird.

Welche Herausforderungen gibt es für Unternehmen, die so eine Anlage aufstellen wollen?

Zunächst brauchen Unternehmen Platz, um eine solche Anlage aufstellen zu können. Vor allem, wenn sie auf große Mengen CO2 fokussieren. Was gehört noch dazu? Sie müssen bereit sein, an ihren Schornstein zu gehen, um das Abgas dann erst mal durch unsere Anlage strömen zu lassen. Der Rest, hauptsächlich Stickstoff und ein bisschen Sauerstoff etc., geht dann in die Atmosphäre ab.

Sie brauchen Strom. Wir arbeiten jetzt an KI-gestützten Verfahren, um die Anlage zu 100 % auszulasten, wenn der Strom günstig ist. Wenn der Strom teuer ist, fährt die Anlage auf Null runter. Sie sehen: Die Anlage ist Start-Stop-fähig. Das heißt, wir können sie beliebig wieder einschalten - nach einer Stunde, nach zehn Tagen oder zwei Monaten. Das spielt für den Prozess keine Rolle. Wir brauchen nur Strom, um die Elektrodialyse zu betreiben, mit der der Strom wieder vom Medium getrennt wird, was vorher das CO2 aufgenommen hat. Insofern gibt es keine expliziten Start-Hürden für Unternehmen. Aber natürlich sind erst einmal die Investitionen zu tätigen, um dann peu à peu den finanziellen Return zu erreichen.

 

Haben Sie schon Teil 1 der Novis-Story gelesen?

 

Weiterführende Informationen von Umwelttechnik BW:

Autor: Antje Sacher
Quelle: Umwelttechnik BW | Bioökonomie