Subitec: Globale Pioniere der Mikroalgenzüchtung
Power of Bioeconomy aus Baden-Württemberg
Ob nachhaltige Rohstoffe, CO2-Bindung oder biobasierte Produkte: Mikroalgen sind echte Biotech-Stars. Wie lässt sich ihr Wachstum gezielt steigern? Die Antwort liegt in einer simplen, aber hochwirksamen Innovation: winzige Luftbläschen, die CO₂ dort länger halten, wo es den größten Unterschied macht. Ein spannendes Aktionsfeld auf internationalem Parkett für ein Unternehmen mit baden-württembergischen Wurzeln. Manuel Bauer sprach mit Sören Mantel von Subitec.
Herr Mantel, Sie feiern 25 Jahre Mikroalgenkultivierung mit Subitec: Was war der Gründungsimpuls?
Subitec ist ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB. Ausgangspunkt war die Kultivierung von Mikroalgen unter kontrollierten Bedingungen – reproduzierbar, standardisiert und automatisiert. Daraus entstand der Flat-Panel-Airlift-Photobioreaktor, der bis heute die technologische Säule des Unternehmens und den entscheidenden Wettbewerbsvorteil darstellt.
Die Airlift-Technologie verbessert die Effizienz des Gastransfers, ein kritischer Aspekt für das Wachstum von Mikroalgen. Nach der Einführung von CO2-angereicherter Luft in das System verlängert der Airlift-Mechanismus mittels kleiner Luftbläschen die Verweilzeit des Kohlenstoffdioxids im Kulturmedium. Diese verlängerte Verweilzeit führt zu einer verbesserten CO2-Aufnahme, wodurch die photosynthetische Effizienz erhöht, und die Nutzung der zugeführten Nährstoffe optimiert wird.
Darauf aufbauend bietet Subitec modulare Produktionssysteme zur industriellen Erzeugung von Biomasse. Und so entstehen hochwertige Inhaltsstoffe für Nahrungsergänzungsmittel – von Tierfutter bis hin zu künftigen Anwendungen wie Sustainable Aviation Fuels (SAF).
Schon vor 10 Jahren zählte das "EU Japan Center for Industrial Cooperation Subitec" zu den 10 relevanten EU-Unternehmen mit einer führenden Technologie für die industrielle Produktion von Mikroalgen-Biomasse. Hat sich Ihr Kundenspektrum seit der Gründung verändert?
Japan war für uns ganz früh ein relevanter Markt – insbesondere aufgrund der hohen Anforderungen an Qualität und Prozessstabilität. Vor Ort sind Mikroalgenproduktionssysteme von uns im Einsatz, darunter auch modulare industrielle Produktionssysteme der CM180-Serie.
Ja, unser Kundenspektrum hat sich erweitert. Es reicht von Forschung und Produktion im kleinen Maßstab hin zu Projekten, in denen die großindustrielle Biomasseproduktion im Vordergrund steht. Der Fokus liegt immer auf Prozessstabilität und eindeutig definierter Qualität.
An was arbeiten Subitec-Kunden in Baden-Württemberg und Deutschland?
Aktuell liegt der Fokus in Deutschland überwiegend auf Anwendungen im Bereich Forschung und Entwicklung, beispielsweise bei der Produktion von hochwertigen Inhaltsstoffen wie speziellen Pigmenten oder Omega-3-Fettsäuren. Hier ist eine reproduzierbare, kontrollierte und kontaminationsfreie Kultivierung entscheidend – auf diese Präzision sind die Systeme von Subitec ausgelegt.
Gleichzeitig beobachten wir ein zunehmendes Interesse an industriellen Anwendungen wie ungesättigte Fettsäuren für die Produktion von Biokraftstoffen.
Welchen Fokus haben internationale Kunden im Vergleich zu Kunden aus Deutschland?
International unterscheiden sich die Schwerpunkte deutlich: In Europa und Australien liegt der Fokus derzeit vor allem auf Qualität und spezialisierten Anwendungen. In der AMEA-Region und in Ostasien stehen Skalierung und industrielle Nutzung stärker im Vordergrund. In Mittel- und Südamerika zeigt sich eine Kombination aus beiden Ansätzen, hier werden hochwertige Anwendungen und auch industrielle Skalierung verfolgt.
Welche Motivation treibt Ihre Kunden, nach Fernost zu gehen?
Es ist eine Frage der Marktstrukturen, regulatorischen Rahmenbedingungen und verfügbaren Ressourcen.
Sie adressieren ein breites Anwendungsspektrum: von Nahrungsergänzungsmitteln und Kosmetik über Tierfutter bis hin zu Bioplastik- und Biofuel‑Feedstock. Wie sehen Ihre Wunsch-Kooperationspartner aus?
Ziel ist für uns die technische und wirtschaftliche Integration in industrielle Wertschöpfungssysteme mit mehreren Produktströmen, nicht die isolierte Anwendung. Interessant sind vor allem Partner mit der Fähigkeit, Mikroalgenproduktion in industrielle Value Chains zu integrieren und in skalierbare Geschäftsmodelle zu überführen. Dazu zählen Industrieunternehmen mit CO₂-Strömen ebenso wie Energie- und Infrastrukturanbieter, Investoren im Bereich Infrastruktur und Energy Transition sowie Abnehmer aus den Bereichen SAF, Food und Feed. Ergänzt wird dies durch Forschungspartner, die zur Weiterentwicklung und Skalierung beitragen.
Teil 2 folgt.