
Ökodesign und Ressourceneffizienz
Umweltgerechte Produktentwicklung als Schlüssel zur Ressourceneffizienz
Kreislaufwirtschaft und Ressourceneffizienz gehören untrennbar zusammen. Ein zentraler Schlüssel dazu ist das Ökodesign: die Gestaltung von Produkten mit Blick auf Langlebigkeit, Reparierbarkeit, Wiederverwendung und Recycling. Unternehmen, die Ökodesign-Prinzipien konsequent umsetzen, senken nicht nur ihren Material- und Energieverbrauch, sondern sichern sich auch Wettbewerbsvorteile in einer zunehmend ressourcenknappen Welt.
Doch gutes Design allein genügt nicht. Damit das im Produkt angelegte Potenzial wirklich wirksam wird, braucht es die passende Infrastruktur und Serviceangebote: Systeme, über die Kund:innen defekte Geräte unkompliziert einschicken und reparieren lassen können, Plattformen für Ersatzteile oder Rücknahmelogistik für Wiederverwendung und Recycling. Erst im Zusammenspiel von ökologisch gestaltetem Produkt und funktionierender Infrastruktur entfaltet sich die volle Wirkung des Ökodesigns – und damit die Brücke zwischen Ressourceneffizienz und zirkulärem Wirtschaften.
Mehr Grundlagenwissen zu den Prinzipien der Ressourceneffizienz finden Sie in unserem Beitrag Einführung in die Ressourceneffizienz.
Was bedeutet Ökodesign in der Kreislaufwirtschaft?
Ökodesign (auch „Ecodesign“ genannt) beschreibt einen Ansatz, der den gesamten Lebenszyklus eines Produkts berücksichtigt – von der Rohstoffauswahl über die Nutzung bis zur Wiederverwertung. Ziel ist es, Materialien so effizient wie möglich einzusetzen und Produkte so zu entwickeln, dass sie beispielsweise energieeffizient, reparierbar, modular und recyclingfähig sind.
Damit bildet Ökodesign die Brücke zwischen Ressourceneffizienz und Kreislaufwirtschaft. Während Ressourceneffizienz die Reduktion von Input (Material, Energie, Wasser) betont, sorgt Ökodesign dafür, dass Produkte am Ende ihrer möglichst langen Nutzungsphase nicht zu Abfall, sondern zu Sekundärrohstoffen werden.
Mithilfe von umweltgerechter Produktentwicklung lassen sich so auch die Scope-3-Emissionen produzierender Unternehmen signifikant senken. Scope-3-Emissionen sind für bis zu 75-99 Prozent der Gesamtemissionen eines produzierenden Unternehmens verantwortlich, denn sie umfassen alle indirekten vor- und nachgelagerten Emissionen. Bei produzierenden Unternehmen betrifft das nicht nur die Herstellung von Produkten und die Materialwahl, sondern auch den Lebenszyklus des Produktes. Schon in der Produktentwicklung kann Ökodesign also als Schlüssel zur Reduktion von Treibhausgasemissionen eingesetzt werden.
Strategien für Unternehmen: Ressourcenschonung durch Design
Für Unternehmen ergeben sich aus Ökodesign konkrete Handlungsmöglichkeiten:
- Einsatz leichterer Materialien (Leichtbau)
- Substitution kritischer Rohstoffe durch nachhaltige Alternativen
Modularität und Reparierbarkeit
- Austauschbare Komponenten verlängern den Lebenszyklus
- Service-Modelle statt Einmal-Produkte
Recyclingfähigkeit verbessern
- Monomaterialien verwenden
- Verbundstoffe vermeiden
- Produktpässe mit Informationen zu Inhaltsstoffen einführen
Digitale Lösungen nutzen
- Digitale Zwillinge und KI-gestützte Materialflüsse erleichtern Rückgewinnung und Wiederverwendung
- Plattformmodelle für Sharing und Second-Life-Produkte
Best Practices: Ökodesign in der Praxis
Viele Unternehmen zeigen bereits, wie Ökodesign erfolgreich umgesetzt werden kann:
- Mess- und Regeltechnik: Wasserzähler haben eine gesetzlich festgelegte Eichfrist. Statt sie nach Ablauf dieser Frist zu entsorgen, nimmt das Familienunternehmen Lorenz seine Produkte nach Ende der Einsatzzeit wieder zurück, demontiert sie in ihre Einzelteile, bereitet diese nach höchsten Qualitätsstandards wieder auf und führt sie in den Produktionskreislauf zurück. Das Unternehmen führt so heute Millionen von Messgeräten erfolgreich im Kreis.
- Bauwirtschaft: Demontagefreundliches Bauen: Durch ein Design, das auf lösbare Verbindungen und modulare Bauteile setzt, können Bauprodukte am Ende ihrer Nutzungsphase leichter zurückgewonnen werden. Diese Elemente lassen sich dann entweder direkt wiederverwenden oder in neuen Bauprojekten einsetzen. Das reduziert Abfallmengen und spart Kosten für Primärmaterialien.
- Industrieproduktion: SEW-Eurodrive entwickelt Antriebssysteme so, dass zentrale Komponenten wie Getriebe, Motoren oder Elektronikmodule leicht austauschbar und reparierbar sind. Dieses Design ermöglicht es, defekte Bauteile gezielt zu erneuern, ohne das gesamte Antriebssystem ersetzen zu müssen.
Diese Beispiele verdeutlichen: Ressourceneffizienz beginnt nicht am Ende der Wertschöpfungskette, sondern ganz am Anfang - beim Design.

Aktuelle Schulungen und Weiterbildungsmaßnahmen finden Sie auf unserer Veranstaltungsseite.
Politische Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten
Politische Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten
Die EU treibt Ökodesign voran – mit neuen Standards, Produktanforderungen und Förderprogrammen. Für Unternehmen in Baden-Württemberg bieten sich überdies konkrete Unterstützungsangebote:
- Ressourceneffizienz-Beratungen für KMU
- Förderprogramme im Rahmen des Bundesförderprogramms für Energie- und Ressourceneffizienz
- Vernetzungsmöglichkeiten auf Veranstaltungen wie dem Ressourceneffizienz- und Kreislaufwirtschaftskongress Baden-Württemberg
Umwelttechnik BW unterstützt Unternehmen dabei, diese Chancen zu nutzen - von Schulungen über Innovationsprojekte bis hin zu internationalen Kooperationen.
Ausblick: Zukunft von Ökodesign in der Kreislaufwirtschaft
Mit dem European Green Deal und der nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) wird Ökodesign in den kommenden Jahren noch stärker in den Fokus rücken.
Unternehmen, die frühzeitig auf diese Entwicklung reagieren, sichern sich nicht nur ökologische Vorteile, sondern auch Zugang zu neuen Märkten.
Ökodesign ist ein entscheidender Hebel, um Ressourceneffizienz und zirkuläres Wirtschaften zu realisieren. Unternehmen können durch durchdachtes Produktdesign Kosten senken, Ressourcen schonen und ihre Zukunftsfähigkeit sichern.