GHG Protocol im Wandel

Was Unternehmen jetzt für ihre THG-Bilanz wissen müssen

Das GHG Protocol ist der weltweit wichtigste Standard für die Bilanzierung von Treibhausgasemissionen. Für Unternehmen in Baden-Württemberg und ganz Deutschland bildet es die methodische Grundlage für viele Klimabilanzen, Dekarbonisierungsstrategien und regulatorische Berichtspflichten. Gleichzeitig wird das GHG Protocol derzeit umfassend überarbeitet. Wer sich heute mit Scope 1, 2 und 3 befasst, sollte deshalb nicht nur den aktuellen Standard verstehen, sondern auch die Richtung der kommenden Änderungen kennen.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem eines: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die eigene THG-Bilanzierung robuster, nachvollziehbarer und anschlussfähiger für Anforderungen aus der Lieferkette aufzustellen. Denn auch wenn zentrale Überarbeitungen noch nicht final verabschiedet sind, zeichnen sich klare Entwicklungen ab – insbesondere bei Scope 3, der Datenqualität und der Dokumentation.

Sie möchten Ihr Unternehmen frühzeitig auf neue Anforderungen vorbereiten? Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in Unternehmen von Umwelttechnik BW unterstützt Sie dabei mit praxisnaher Orientierung und kostenfreien Angeboten.

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Was ist das GHG Protocol?

Das Greenhouse Gas Protocol, kurz GHG Protocol oder auf Deutsch GHG Protokoll, ist ein international anerkannter Standard zur Erfassung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen. Ziel ist es, Unternehmen eine einheitliche Methodik an die Hand zu geben, um Emissionen systematisch zu quantifizieren, vergleichbar darzustellen und über die Zeit zu steuern.

Im Zentrum des Standards steht die Aufteilung der Emissionen in drei Bereiche:

  • Scope 1: direkte Emissionen aus eigenen oder kontrollierten Quellen, etwa aus Anlagen, Prozessen oder Fahrzeugen
       
  • Scope 2: indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom, Wärme, Dampf oder Kühlung
        
  • Scope 3: weitere indirekte Emissionen entlang der vor- und nachgelagerten Wertschöpfungskette, z.B. aus eingekauften Waren, Transport, Geschäftsreisen

Gerade Scope 3 ist in vielen Unternehmen der größte Emissionsblock – und zugleich der anspruchsvollste Bereich in der Datenerhebung. Entsprechend stark rückt dieser Teil des GHG Protocol aktuell in den Fokus.

Wer sich zunächst einen Überblick über die einzelnen Emissionskategorien verschaffen möchte, sollte die eigene Bilanz entlang von Scope 1, 2 und 3 strukturieren und prüfen, wo bereits belastbare Daten vorliegen – und wo nicht.

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Warum ist das GHG Protocol für Unternehmen in Deutschland so relevant?

Die Bedeutung des GHG Protocol ist eng mit regulatorischen Entwicklungen in Europa verbunden. Für viele Unternehmen ist das GHG Protocol die methodische Basis, um Anforderungen aus der Nachhaltigkeitsberichterstattung belastbar umzusetzen.

So verlangt ESRS E1 im Rahmen der europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung die Offenlegung von Treibhausgasemissionen über Scope 1, 2 und 3 hinweg. Der Standard orientiert sich bei der Emissionsberichtserstattung eng an der Systematik des GHG Protocol und verlangt bei Scope 2 sowohl die location-based als auch die market-based Darstellung. Für Unternehmen heißt das: Wer seine THG-Bilanz bereits sauber nach GHG Protocol aufbaut, schafft eine wichtige Grundlage für anschlussfähige Berichterstattung.

Hinzu kommt: Berichtspflichten wirken weit in die Lieferkette hinein. Auch wenn kleinere Unternehmen nicht direkt berichtspflichtig sind, werden sie zunehmend von Kundinnen und Kunden, Banken, Fördermittelgebern oder Auftraggebern nach belastbaren Emissionsdaten gefragt. Wer heute methodisch sauber bilanziert, ist deshalb morgen deutlich besser aufgestellt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Annäherung von GHG Protocol und ISO 14064. Seit Juli 2026 ist beschlossen: 
GHG Protocol und ISO führen ihre Standards (Scope 1, 2, 3, AMI und ISO 14064-1) zu einem einzigen, co-gebrandeten Corporate Standard zusammen. Eine gemeinsame öffentliche Konsultation ist für Q2 2027 geplant. Für Unternehmen ist das ein deutliches Signal: Die Anforderungen an Konsistenz, Vergleichbarkeit und Nachweisfähigkeit von Emissionsdaten werden weiter steigen.

GHG Protocol für Unternehmen
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Das GHG Protocol wird überarbeitet: Was ist bereits klar?

Wichtig ist zunächst die Einordnung: Das GHG Protocol befindet sich in einem laufenden Revisionsprozess, der mehrere Standards und Leitfäden umfasst – darunter den Corporate Standard, die Scope-2-Guidance, den Scope-3-Standard und den Actions & Market Instruments (AMI)-Standard. Die bisher veröffentlichten Arbeitsstände deuten darauf hin, dass die Standards präziser und stärker auf Vergleichbarkeit, Nachvollziehbarkeit und Prüfbarkeit ausgerichtet werden.

Noch nicht vollständig gesichert ist dagegen die endgültige Form aller neuen Anforderungen. 
Gerade bei Scope 3 liegen derzeit Fortschrittsstände und Arbeitsentwürfe vor, die ausdrücklich noch nicht final sind.

Absehbar sind jedoch mehrere Entwicklungslinien:

    Höhere Anforderungen

    Höhere Anforderungen an Scope-3-Daten 

    Im Scope-3-Revisionsprozess zeichnet sich ab, dass Unternehmen ihre Emissionen stärker nach Datentypen und Datenqualität differenzieren müssen. Der im März 2026 veröffentlichte Fortschrittsbericht nennt unter anderem eine stärkere Aufschlüsselung der berichteten Scope-3-Daten sowie strengere Regeln für die Nutzung aggregierter Unternehmensdaten und für Allokationen.

    Für die Praxis bedeutet das: Durchschnittswerte und grobe Schätzungen werden nicht sofort verschwinden, aber ihr Einsatz wird stärker begründet, eingegrenzt und dokumentiert werden müssen.

    Mehr Fokus

    Mehr Fokus auf Primärdaten und Lieferkettentransparenz

    Ein klarer Trend geht hin zu spezifischeren Aktivitätsdaten und belastbareren Emissionsfaktoren. Das stärkt die Aussagekraft der Bilanz, erhöht aber auch die Anforderungen an Einkauf, Lieferantenmanagement und interne Datenprozesse. Gerade in Baden-Württemberg mit seinen industriell geprägten Lieferketten ist das für viele Unternehmen ein zentrales Thema.

    Schärfere Vorgaben

    Schärfere Vorgaben zu Systemgrenzen und Vollständigkeit

    Auch beim Corporate Standard werden präzisere Anforderungen an Bilanzgrenzen und an die Einbindung von Scope 3 diskutiert. In Fachzusammenfassungen zum Revisionsprozess wird beschrieben, dass Scope 3 künftig stärker als fester Bestandteil einer vollständigen Unternehmensbilanz verstanden wird und klar definiert wird, welche Unternehmensteile und Aktivitäten in die Bilanz einbezogen werden müssen.

    Nachweispflichten

    Mehr Dokumentations- und Nachweispflichten

    Da Emissionsdaten zunehmend Teil prüfungsnaher Nachhaltigkeitsberichterstattung werden, steigt die Bedeutung von Dokumentation, Beleglogik und Datenherkunft. Unternehmen sollten sich deshalb nicht allein auf das Rechenergebnis konzentrieren, sondern auch darauf, wie dieses Ergebnis zustande kommt und wie es sich im Zweifel nachweisen lässt.

    Neuer AMI-Standard

    Neuer AMI-Standard: Drei-Säulen-Berichterstattung

    Der neue Actions & Market Instruments (AMI)-Standard führt einen Drei-Säulen-Ansatz ein:

    • Physical Emissions Statement – Emissionen aus eigenen Aktivitäten und Wertschöpfungsketten
    • Market-Based Emissions Statement – Emissionen aus Marktinstrumenten wie Zertifikaten und Verträgen
    • GHG Impact Statement – Wirkung von Klimaschutzmaßnahmen und Investitionen. Dieser Ansatz ermöglicht Unternehmen eine vollständigere und transparentere Darstellung ihrer Klimaperformance.
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    Was ist noch unsicher – und wie sollten Unternehmen damit umgehen?

    Nicht jede diskutierte Änderung ist bereits beschlossen. Insbesondere Zeitplan und endgültiger Wortlaut der künftigen Standards können sich noch verändern. Der aktuelle Scope-3-Fortschrittsbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass es sich um einen Entwurfsstand handelt, der noch konsultiert und weiterentwickelt wird. Auch aus dem offiziellen Update-Prozess ergibt sich, dass die Überarbeitungen über 2026 hinauslaufen und mehrere Konsultationsschritte umfassen.


    Daher ist für Unternehmen ein zweigleisiger Ansatz sinnvoll:

    • Gesicherte Anforderungen heute sauber umsetzen
    • Erwartbare Entwicklungen bereits strategisch vorbereiten

    Das reduziert späteren Anpassungsaufwand. Wer heute etwa seine Scope-3-Kategorien nur grob schätzt, ohne Datenquellen und Annahmen zu dokumentieren, wird voraussichtlich mehr Nacharbeit haben als Unternehmen, die schon jetzt mit Datenhierarchien, klaren Verantwortlichkeiten und Lieferantenabfragen arbeiten.

    Wie bereiten sich Unternehmen jetzt sinnvoll vor?

    Statt auf die finalen neuen Regeln zu warten, sollten Unternehmen die aktuelle Phase aktiv nutzen. In der Praxis haben sich dabei fünf Schritte bewährt:

    Der erste Schritt ist die Ist-Analyse: Welche Emissionen werden bereits erfasst? Welche Scopes sind abgedeckt? Welche Kategorien fehlen? Wie belastbar sind die Daten? Daraus lässt sich ableiten, wo die größten methodischen und organisatorischen Lücken liegen.

    Weil sich die kommenden Änderungen besonders stark auf die Wertschöpfungskette auswirken dürften, lohnt sich eine gezielte Vertiefung bei Scope 3. Unternehmen sollten herausarbeiten, welche Kategorien wesentlich sind, wo Schätzwerte dominieren und welche Lieferanten oder Datenquellen strategisch relevant werden.

    Nicht jede Bilanz muss sofort perfekt sein. Entscheidend ist aber, dass Unternehmen eine Verbesserungslogik aufbauen: von generischen Emissionsfaktoren hin zu spezifischeren Aktivitätsdaten, von Einzelabfragen hin zu standardisierten Prozessen und von unklaren Excel-Ständen hin zu nachvollziehbarer Dokumentation.

    THG-Bilanzierung ist keine reine Nachhaltigkeitsaufgabe. Einkauf, Controlling, Energiemanagement, Produktion, Logistik und gegebenenfalls Vertrieb müssen eingebunden werden. Je früher Zuständigkeiten, Freigaben und Datenwege definiert sind, desto leichter wird die spätere Berichterstattung.

    Unternehmen sollten GHG Protocol, ESRS E1 und angrenzende Anforderungen nicht getrennt behandeln. Methodik, Berichtspflichten und Prüfbarkeit wachsen zusammen. Wer diese Themen integriert denkt, spart Aufwand und erhöht die Qualität der Ergebnisse.

    Wie unterstützt Umwelttechnik BW konkret?

    Das Kompetenzzentrum Klimaschutz in Unternehmen unterstützt Unternehmen in Baden-Württemberg dabei, Klimaschutz strategisch und praxisnah umzusetzen. Gerade beim Einstieg oder der Weiterentwicklung der THG-Bilanzierung nach GHG Protocol ist Orientierung oft entscheidend: Welche Scopes sind relevant? Wie lassen sich Datenlücken schließen? Wo lohnt sich der Fokus in Scope 3? Und wie werden Unternehmen fit für steigende Anforderungen aus Berichterstattung und Lieferkette?

    Umwelttechnik BW kann hier mit kostenfreien Unterstützungsangeboten, fachlicher Einordnung und praxistauglichen Hilfestellungen begleiten. Dazu gehören insbesondere:

    • Orientierung bei der THG-Bilanzierung und Einordnung nach Scope 1, 2 und 3
    • Hilfestellung bei der Priorisierung und Strukturierung von Scope-3-Themen
    • Verweis auf passende Werkzeuge wie das BWIHK-ecocockpit
    • Begleitung bei den nächsten Schritten Richtung belastbare, anschlussfähige Klimabilanz

    Gerade für kleine und mittlere Unternehmen ist das wertvoll: Sie müssen nicht auf vollständige regulatorische Betroffenheit warten, um sinnvoll zu handeln. Wer früher startet, gewinnt Zeit, Datenqualität und Handlungsspielraum.

    Sie möchten Ihre THG-Bilanz nach GHG Protocol zukunftsfähig aufstellen

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    Ihr Kontakt

    Jochen Leyhr

    M. Sc. Jochen Leyhr

    Projektleiter Klimaschutz in Unternehmen BW

    Umwelttechnik BW
    Kleiner Schlossplatz 13
    70173 Stuttgart
    Deutschland

    FAQ zum GHG Protocol

    Im laufenden Revisionsprozess deutet sich an, dass Scope-3-Emissionen künftig differenzierter nach Datentypen ausgewiesen werden müssen und strengere Anforderungen an Datenqualität, Allokation und Lieferkettendaten gelten werden. Final beschlossen ist dies jedoch noch nicht in allen Punkten.

    Die öffentliche Konsultation zum Scope-2-Standard ist abgeschlossen (fast 1.100 Rückmeldungen aus 56 Ländern, veröffentlicht Juli 2026). Eine gemeinsame öffentliche Konsultation zum konsolidierten Corporate Standard (GHG Protocol + ISO 14064-1) ist für Q2 2027 geplant. Die endgültige Finalisierung ist danach zu erwarten.

    Nicht jedes KMU ist unmittelbar zur Berichterstattung verpflichtet. In der Praxis steigt der Druck jedoch über Kundenanforderungen, Lieferketten und Finanzierungsfragen. Deshalb ist das GHG Protocol auch für kleinere Unternehmen strategisch relevant.

    Das GHG Protocol ist vor allem ein weit verbreiteter Standard für die Bilanzierung und Berichterstattung von Emissionen auf Unternehmens- und Wertschöpfungskettenebene. ISO 14064 ist eine Normenfamilie mit starkem Bezug zu Struktur, Anforderungen und Verifizierung der Bilanzierung und Berichterstattung von Treibhausgasemissionen. Seit September 2025 arbeiten ISO und GHG Protocol daran, ihre Ansätze stärker zu harmonisieren und gemeinsam weiterzuentwickeln.