ESRS E1 Klimawandel

Anforderungen, Umsetzung und strategische Bedeutung für Unternehmen

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bilden das Fundament der neuen europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung innerhalb der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Ein zentraler Bestandteil dieser Standards ist ESRS E1 zum Thema Klimawandel.

Im Rahmen der CSRD sind berichtspflichtige Unternehmen verpflichtet, strukturierte Angaben zu ihren klimabezogenen Auswirkungen, Risiken und Strategien zu machen. ESRS E1 definiert hierfür die konkreten Anforderungen.

Die European Sustainability Reporting Standards (ESRS) bilden das Fundament der neuen europäischen Nachhaltigkeitsberichterstattung innerhalb der Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD). Ein zentraler Bestandteil dieser Standards ist ESRS E1 zum Thema Klimawandel. Im Rahmen der CSRD sind berichtspflichtige Unternehmen verpflichtet, strukturierte Angaben zu ihren klimabezogenen Auswirkungen, Risiken und Strategien zu machen. ESRS E1 definiert hierfür die konkreten Anforderungen.

Der Standard verbindet erstmals in einem einheitlichen Rahmen:

Damit geht ESRS E1 deutlich über eine reine Umweltberichterstattung hinaus und wird zu einem wichtigen Instrument der strategischen Unternehmenssteuerung im Kontext der Dekarbonisierung.

Einordnung von ESRS E1 in die CSRD

Die CSRD verpflichtet bestimmte Unternehmen in der EU zur umfassenden Nachhaltigkeitsberichterstattung. 
Die ESRS konkretisieren diese Anforderungen und geben vor, wie berichtet werden muss. ESRS E1 ist dabei einer der zentralen Umweltstandards innerhalb des ESRS-Systems.

Unternehmen müssen unter anderem offenlegen:

  • ihre Klimaziele und Dekarbonisierungsstrategie
  • ihre Treibhausgasemissionen in den Scopes 1 bis 3 entlang der Wertschöpfungskette
  • ihre Klimarisiken und deren Auswirkungen auf das Geschäftsmodell
  • relevante Investitionen und Maßnahmen im Bereich Klimaschutz

Wichtig ist:

Die Anforderungen gelten nur für berichtspflichtige Unternehmen. Allerdings wirken sie indirekt entlang der Lieferketten,
da berichtspflichtige Unternehmen Daten von ihren Partnern benötigen.

Was ist ESRS E1?

ESRS E1 ist der europäische Berichtsstandard für den Themenbereich Klimawandel innerhalb der ESRS. Er legt fest, welche Informationen Unternehmen im Rahmen ihrer Nachhaltigkeitsberichterstattung offenlegen müssen – vorausgesetzt, die Themen sind im Sinne der doppelten Wesentlichkeit (Double Materiality) relevant.

Unternehmen berichten nur dann nach ESRS E1, wenn:

  • das Unternehmen wesentliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft hat 
    ➜ Impact Materiality
  • der Klimawandel wesentliche finanzielle Risiken oder Chancen 
    für das Unternehmen darstellt 
    ➜ Financial Materiality

Der Standard umfasst unter anderem Anforderungen zur Offenlegung von:

  • Treibhausgasemissionen
  • Energieverbrauch und Energiemix
  • Klimarisiken und -chance
  • Klimazielen und Fortschritt
  • Maßnahmen zur Emissionsreduktion
  • möglichen finanziellen Auswirkungen

Ziel ist es, die Transparenz und Vergleichbarkeit von klimabezogenen Unternehmensinformationen in Europa zu erhöhen.

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ESRS E1-Anforderungen im Überblick

Der Standard ist in sogenannte Disclosure Requirements (Angabepflichten) gegliedert. Diese decken sowohl qualitative als auch quantitative Informationen ab.

Klimastrategie und Transitionsplan

Unternehmen müssen darlegen:

  • ob und wie sie ihre Emissionen reduzieren
  • ob ein Transitionsplan zur Dekarbonisierung existiert
  • ob ihre Strategie mit der Begrenzung auf 1,5°C im Einklang steht und wissenschaftlich fundiert ist

Falls kein Transitionsplan vorliegt, muss dies ebenfalls transparent gemacht werden.

Energieverbrauch und Energiemix

Unternehmen müssen Angaben machen zu:

  • ihrem gesamten Energieverbrauch
  • dem Anteil erneuerbarer Energien
  • fossilen Energieträgern
  • Energieintensitäten

Diese Informationen sind zentral für die Bewertung der Dekarbonisierung.

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Treibhausgasemissionen

Unternehmen müssen ihre Emissionen berichten, in der Regel unterteilt in:

  • Scope 1 – direkte Emissionen aus eigenen Anlagen
  • Scope 2 – indirekte Emissionen aus eingekaufter Energie
  • Scope 3 – Emissionen entlang der Wertschöpfungskette (z. B. Einkauf, Nutzung und Entsorgung von Produkten)

Die Berichterstattung soll möglichst vollständig und nachvollziehbar erfolgen.

Dabei ist zu berücksichtigen:

  • Scope-3-Daten sind häufig nur eingeschränkt verfügbar
  • Schätzungen und Modellierungen sind zulässig
  • es bestehen teilweise Übergangsregelungen
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Klimarisiken und Chancen

Ein weiterer Schwerpunkt ist die Analyse von:

  • physischen Risiken (z. B. Extremwetter, Hitze, Wasserknappheit)
  • Transitionsrisiken (z. B. Regulierung, CO₂-Preise, Marktveränderungen)
  • klimabezogenen Chancen (z. B. neue Technologien, Geschäftsmodelle)

Diese müssen sowohl qualitativ beschrieben als auch – soweit möglich – bewertet werden.

Finanzielle Auswirkungen

Unternehmen müssen darlegen:

  • welche finanziellen Risiken sich aus dem Klimawandel ergeben
  • welche Investitionen für Klimaschutzmaßnahmen erforderlich sind
  • wie sich Klimafaktoren auf die zukünftige Geschäftsentwicklung auswirken

Eine Quantifizierung ist anzustreben, aber nicht in allen Fällen vollständig möglich.

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Warum ESRS E1 als strategisch relevant gilt

ESRS E1 ist mehr als ein Reporting-Standard. Er verbindet drei zentrale Ebenen der Unternehmensführung. 
Damit wirkt der Standard direkt auf operative und strategische Entscheidungen in Unternehmen.

1. Datenbasis
   a. Emissionen
   b. Energieverbrauch
 2. Risikomanagement
   a. Klimarisiken
   b. Regulatorische Entwicklungen
3. Strategie
   a. Dekarbonisierung
   b. Investitionsentscheidungen
   c. Geschäftsmodellentwicklung

Relevanz für 
größere Unternehmen 
und KMU

 

Auch wenn derzeit vor allem größere Unternehmen direkt unter die CSRD fallen, hat ESRS E1 Auswirkungen auf die gesamte Wirtschaft. Viele Unternehmen werden indirekt betroffen sein, da sie:

  • Emissionsdaten für Kunden bereitstellen müssen
  • Anforderungen von Banken und Investoren erfüllen müssen
  • zunehmend klimabezogene Transparenz liefern sollen

Besonders relevant ist dies für Branchen mit energieintensiven Prozessen, komplexen Lieferketten und hohen indirekten Emissionen (Scope 3).

 

Treibhausgasbilanz 
als Grundlage

 

Die Grundlage der Berichterstattung nach ESRS E1 ist eine Treibhausgasbilanz (Corporate Carbon Footprint). Diese erfasst systematisch die Emissionen eines Unternehmens und dient als Basis für:

  • Zieldefinition
  • Maßnahmenplanung
  • Berichterstattung

Die Methodik orientiert sich in der Regel am GHG Protocol, das auch als Referenzrahmen für ESRS dient, jedoch nicht vollständig identisch ist. 

Mehr Informationen zur THG-Bilanzierung

    

ESRS E1 als 
Treiber für 
Klimastrategien

  

Die Anforderungen des Standards führen dazu, dass Unternehmen ihre Klimathemen systematisch strukturieren müssen. 
Eine belastbare Klimastrategie umfasst typischerweise:

  1. Treibhausgasbilanzierung
  2. Wesentlichkeitsanalyse
  3. Analyse klimabezogener Risiken
  4. Definition von Reduktionszielen
  5. Entwicklung eines Transitionsplans
  6. Umsetzung technischer und organisatorischer Maßnahmen

Dabei spielen technologische Lösungen eine wichtige Rolle, beispielsweise in den Bereichen Energieeffizienz, erneuerbare Energien, Elektrifizierung und digitale Datenerfassung.

ESRS E1 erhöht die Anforderungen an Unternehmen deutlich

Der Standard ESRS E1 stellt deutlich höhere Anforderungen an die Klimaberichterstattung von Unternehmen als bisherige Regelwerke.

Unternehmen müssen künftig nicht nur Emissionen vollständiger und detaillierter erfassen, sondern auch transparent darstellen:

  • wie sie Klimarisiken bewerten
  • welche Ziele sie verfolgen
  • wie ihre Strategie mit einer klimaneutralen Wirtschaft vereinbar ist

Damit wird Klimaschutz zu einem integralen Bestandteil der Unternehmenssteuerung, Risikobewertung und Berichterstattung.

Ihr Kontakt

Jochen Leyhr

M. Sc. Jochen Leyhr

Projektleiter Klimaschutz in Unternehmen BW

Umwelttechnik BW
Kleiner Schlossplatz 13
70173 Stuttgart
Deutschland